Wird Google auf einmal menschlich?

Seit einigen Tagen hat sich Google aus China verabschiedet … Aber eigentlich ist das so nicht ganz richtig formuliert. Also, neuer Versuch: Google bleibt weiter in China, wickelt aber alles von Hong Kong aus ab, weil es dort nicht so strenge Zensurvorschriften gibt.
Nach massiven Hacker-Angriffen auf Google dauerte es keine 3 Monate bis der Konzern die Konsequenzen zog und seine chinesische Internetseite auf das Pendant aus Hong Kong umleitete. Viele Menschenrechtler und Zensurgegner begrüßten diesen Schritt und auf einmal wirkte die „böse Datenkrake“ Google gar nicht mehr so finster. Vielleicht, so vermutete man hinter vorgehaltener Hand, hatten Mr. Brin und Mr. Page ihren studentischen Idealismus doch nicht gänzlich über Board geworfen. Der „Google-Charme“ war wieder da. Zumindest verspürte man diese „nerdige“ Ungezwungenheit, die nichts mit Konsum zu tun hat und sich vornehmlich an dem „Wissen ist für alle da“ Kodex der Open Source Community orientiert.
Für freiheitsliebende Menschen in aller Welt, vor allem in den USA und in Europa, war der Rückzug von Google aus dem riesigen Markt (Wir wissen ja, dass sie nur umgezogen sind!) ein echter Hammer. Endlich mal ein großer Konzern der nicht immer nur ans Geld denkt.
Doch blicken wir mal zurück in die jüngere Vergangenheit. Was haben Datenschützer auf Google eingeprügelt. Die Google Street View Debatte ist in Deutschland noch in vollem Gange. Der Einsatz von Google Analytics ist rechtlich zumindest bedenklich.
Alles in allem war das Bild von Google in der Öffentlichkeit nicht sonderlich positiv besetzt, um es mal höflich auszudrücken.
Sicherlich existieren diese ganzen Probleme noch immer, aber worüber wird denn im Moment geredet? Richtig, über den „Heldenmut“ eines milliardenschweren Unternehmens, dass sich gegen „den menschenfeindlichen Kommunismus“ auflehnt.
Google hat hatte ca. 35% Marktanteil in China. Das ist für einen Konzern, der Werte weit jenseits der 80%-Grenze gewohnt ist, doch recht enttäuschend. In China sind 380 Millionen Menschen online. Hier existiert ein riesiger Wachstumsmarkt, wo auch riesige Gewinne zu holen sind. Warum lässt sich Google dieses Potential jetzt entgehen?
Im offiziellen Google Blog sprach man Mitte Januar – nach den erfolgreichen Hacker-Angriffen auf das US-Unternehmen, bei dem übrigens Firmengeheimnisse mehrerer amerikanischer Unternehmen (darunter auch ein Rüstungsunternehmen) entwendet wurden – nur in einem Nebensatz von diesen Ereignissen und begründete damals den Richtungswechsel in der China-Politik vor allem mit den Menschenrechtsverletzungen in China und der immer stärker zunehmenden Zensur.
Interessant ist aber, das Google dies die letzten vier Jahren wunderbar heruntergespielt hat und genau wie Microsoft und Yahoo, unter dem Mäntelchen „Menschenrechte durchsetzen zu wollen“, mit den Behörden dort kooperiert hat.
Es stellt sich auch die Frage, welche Rolle überhaupt die US-Regierung in diesem Zusammenhang spielt?
Festzuhalten ist sicherlich, dass sich Google derzeit sehr schön und sauber präsentiert. Diese Tatsache ist, wenn man sie richtig zu nutzen weiß, ein hervorragender PR-Aufhänger.
Ich glaube aber zu wissen, dass Menschenrechte beim Rückzug von Google aus China nahezu keine Rolle gespielt haben.